Warum wir zum Immobilienrecht bloggen!

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Wir leben in einer absolut außergewöhnlichen Zeit. Das, was aktuell geschieht, gab es in der gesamten Geschichte der Menschheit nicht. Noch nie konnte sich ein Privater Geld zu rund 1% jährlich leihen, um damit Land und Gebäude zu kaufen. Das ist fast nichts. Es bedeutet, daß man für 100.000 Euro Kredit nur 1.000 Euro jährlich an Zinsen zahlt, das sind 83 Euro im Monat, Tendenz (mit fortschreitender Kredittilgung) fallend. Daß man jemanden findet, der einem a) für längere Zeit solche Geldbeträge anvertraut und b) dafür nur so wenig Gegenleistung haben will, ist einzigartig. Daß es so ist, hat nicht der Markt zu verantworten, sondern allein die Politik der Zentralbanken seit der Finanzkrise 2008. Es bedeutet, daß Menschen, die noch nicht vermögend sind, Immobilien kaufen können.

In 2007 war das noch anders, die Zinsen lagen bei über 5%. Über fehlerhafte Widerrufsklauseln haben wir in den letzten Jahren die letzten Kreditverträge abgewickelt, die bei 6 bis 8% lagen. Mit anderen Worten: Geld war sechs- bis achtmal so teuer wie heute!!! Die Änderung der Konditionen hat unmittelbare Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. In 2007 konnte man Berliner Altbauwohnungen zu 1.000 Euro pro qm oder weniger kaufen, heute (Anfang 2018) sind es 4.000 Euro oder mehr, fünfstellig in der Spitze.

Was sich nicht gleichermaßen entwickelt hat, sind die Mieten. Gegenüber 2007 sind sie kaum verdoppelt, aber bei Neuvermietungen tendierte der Markt zu starken Steigerungen. Also ruderte die Politik dagegen – allein 2015 die Mietpreisbremse, erweiterter Milieuschutz, Zweckentfremdungsverbote, jetzt in 2017 zudem Eingriffe in die Mietspiegelstatistik, um nur einiges zu nennen. Das Ergebnis ist, daß die Mieten im Verhältnis zu den Kaufpreisen viel zu niedrig sind. Das hat mehrere Konsequenzen, a) innerhalb der Immobilienthemen (z.B. provoziert es Ausweichmodelle, blockiert Wohnungswechsel und bewirkt damit Wohnungsnot, führt am Ende zu einer Politisierung und Frontenbildung Mieter/Vermieter) und b) übergreifend, nämlich in der Altersvorsorge.

Bis zur Finanzkrise waren eine Lebensversicherung, Bausparen, Festgeld und sogar das Sparbuch vernünftige, mehr oder weniger solide Wege der Altersvorsorge. Auch der Kauf einer vermieteten Immobilie (meist Eigentumswohnung) gehörte dazu: im Laufe des Arbeitslebens zahlte man mit den Mieteinnahmen den Kredit ab, aber nach 25 bis 30 Jahren war man fertig und im Ruhestand hatte man Mieteinnahmen zur freien Verfügung übrig, eine schöne Ergänzung der Rente.

Wie ist das heute? Sämtliche zinsorientierten Sparmodelle sind in einer Welt mit Niedrigzinsen unbrauchbar; sie vernichten Werte, weil sie weniger bringen, als die Inflation kostet. Zugleich haben wir noch etwa 10 Jahre, bis die Babyboomer in Ruhestand gehen, spätestens dann wird die gesetzliche Rente entweder nicht mehr finanzierbar sein oder sinken müssen. Es wäre also angebracht, der Bevölkerung zu helfen, die historische Gelegenheit zu erkennen und zu nutzen, mit geliehenem Geld in Immobilien zu investieren, um im Ruhestand Mieteinnahmen zu generieren.

Was geschieht statt dessen?

Die Grunderwerbsteuern wurden vervielfacht, die Kreditvergabe-Richtlinien  verschärft und das Mietrecht in der aktuellen Handhabung durch die Gerichte kann einen privaten Vermieter ohne weiteres ruinieren! Das ist, als wollte die Politik auf jeden Fall verhindern, daß sich der Normalbürger eine valide Altersvorsorge aufbaut. Es wird politisch verhindert, was wirtschaftlich sinnvoll und möglich wäre! Mit vermeintlichem Mieterschutz hält man die Leute zudem in Abhängigkeit, deshalb ist die Eigentumsquote und damit das Haushaltsvermögen der Deutschen das niedrigste in ganz Euroland.

Das alles sind mächtige Verschiebungen der Verhältnisse. Es tobt ein regelrechter Krieg der Weltanschauungen (siehe Wahlergebnis 2017, bis dato noch keine neue Regierung) und Vermögensklassen (siehe Word Inequality Report). Ergänzender Druck kommt aus der Millionenzuwanderung des Syrienkrieges (irgendwo müssen die ganzen Menschen ja wohnen) und der internationalen Kapitalströme in die Sicherheit deutschen Betons.

Das alles sehen wir jeden Tag in unseren Akten. Als Anwälte im Immobilienrecht sind wir die vorderste Front in jeglichem Steit um Wohnungen, Häuser und Verträge über diese. Wir erleben die ganze Absurdität zwischen Immobilienmarkt, Mietrecht und Handhabung durch die Justiz, die zunehmend weltanschaulich motivierten Haltungen auch innerhalb der Rechtsprechung und die beinahe tägliche Vermieterhetze der Berliner Zeitung, die zwar gefestigte Ansichten bedient, den Leuten aber nicht beim Nachdenken hilft. Als beratende Anwälte bei Haus & Grund sehen wir die Perspektivbrüche, wenn jemand Jahrzehnte Mieter war, sich zu Zwecken der Altersvorsorge eine Wohnung kauft und sich dann plötzlich in beiden Rollen wiederfindet, in der Vermieterrolle als weltanschaulicher Feind seiner selbst. Daß es diese Feindbilder gibt, ist nicht wirtschaftlich bedingt, sondern politisch! Und vor allem: es wäre nicht nötig.

Das beste Rezept gegen Armut ist Bildung. Mit diesem Blog bieten wir jedem, den es interessiert, an, seine Unkenntnis in a) dem Immobilienrecht und b) den wirtschaftlichen Zusammenhängen, soweit es Immobilien betrifft, zu verringern. Wir beleuchten die Abläufe in der Justiz, um realistische Einschätzungen zu erlauben, was sie leistet und was eher nicht. Schließlich beziehen wir Standpunkte durch Kommentierung aktueller Urteile und Entwicklungen. Wenn es Ihnen hilft, in wichtigen Situationen bessere Entscheidungen zu treffen, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Eine Übersicht der Beiträge zu rechtlichen, steuerlichen oder politischen Themen rund um die Immobilie finden Sie weiter unten oder über „Home“ im Menü am Anfang oder am Ende dieser Seite.

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